Weißwein, Weißwurscht, Weißkraut und Weisheitszahn. Irgendwas passt da nicht zusammen. Der Weisheitszahn, ein grausames Geschöpf von denen es meist mehrere gibt, die einem Probleme machen. Es ist mittlerweile schon ein paar Jahre her, lass es mal 4 her sein. Ich war jung, hatte nie Probleme in Mundbereich und ging scharf auf die 21 zu. Bei einer durchschnittlich durchgeführten Routineuntersuchung, ok ich hatte leichten Druck im Kiefer gespürt, stellten die Freunde der Arztpraxis anhand eines Röntgenbildes fest, dass da ein kleiner Zahn namens Weisheit doch Lust hatte durch das Zahnfleisch zu kriechen; „und im Übrigen liegen die anderen drei Weisheitszähne auch sehr beschissen, so dass Sie Ihnen in nächster Zeit Schmerzen und somit Stress machen würden“. *schluck* „Ähm wie jetzte?; dat kommt jetzt ja schon leicht überraschend“. Ich kannte die Erfahrungen einiger Freunde mit dieser Problematik, daher wusste ich, dass mit den verbundenen Schmerzen nix Tolles in der Zukunft lag. Ok durchatmen und cool reagieren.. „Jo alles klar, dann müssen die wohl überaus nützlichen „Zähne“ raus. Ich lies mich beraten und gab mir auf Empfehlung einen Termin bei einem Spezialisten. Dort einige Tage später angekommen bestätigte er mir die Notwendigkeit einer Operation und gab mir die netten zwei Optionen zur weiteren Behandlung. „Entweder wir ziehen nur den einen, der grad Stress macht und führen dann je nach Lage drei weitere Operationen in einem unbestimmten Zeitraum durch oder wir ziehen alle vier zugleich und sie haben alles mit einem Mal hinter sich.. natürlich unter Vollnarkose“. Eieiei auch auf Nachfrage gab es kein „Tor 3“, in jedem Fall würde ich den Zonk ziehen. Nachdem die Erfahrungen meiner Freunde gut im Gedächtnis abgespeichert waren, entschied ich mich kurzfristig für die „Alles oder Nichts-Variante“. Wir vereinbarten einen Termin und freute mich auf die bevorstehende OP. Nachdem die Narkosespritze mich so langsam erreichte, grüßte ich freundlich meine Mutter, mein Vati, aber auch meine Eltern und schlief mit einem ängstlichen Grinsen ein. Ungefähr 90min später im Aufwachraum angekommen, lebte ich meinen eigenen Film, wurde mit netten Schmerzen wach, wusste nicht warum ich allein mit tauber Fresse auf einer unbequemen Liege lag und mir wurde klar, die Narkose hat nachgelassen – ich hatte extreme Schmerzen und begann etwas lauter mich auszudrücken. Es kam jedoch niemand in das Zimmer – es vergingen einige Minuten, bis dann in die Dunkelkammer einige Leute kamen. Meine damalige Freundin und nen Kumpel die ein nicht passendes Grinsen aufgesetzt hatten. Ich lies laut Erzählungen einige, meinen Schmerzen entsprechenden Sätze wie „so ne Scheisse hier, ick hab Schmerzen“ los und wurde dann endlich nach Hause gebracht. Dort angekommen wagte ich einen Blick in den Spiegel und sagte meinen Eltern freundlich „Nun habta nen Hamster hehe“. Ok um es etwas abzukürzen.. ich konnte 5 Tage nicht durchschlafen, nahm Schmerztabletten in doppelter Dosis, spuckte eine Woche Blut in Pappbecher, konnte nur aufm Rücken liegen, wusste nix mit der Zeit anzufangen, mein so genannter Urin roch nach Tabletten, war eher mäßig bis schlecht drauf, wusste das meine Freunde an den See fahren (es war Hochsommer) und lag irgendwie, irgendwo rum, verstand die Welt nicht mehr, fragte mich warum der Mist immer noch blutet, konnte nix essen, dafür aber lecker Tee trinken, regte mich auf über die tolle Betreuung im Aufwachzimmer und stellte nach einigen Tagen mit Schmerzen im rechten Oberschenkel auch noch fest, dass dieser in Größe einer Pizza blau war!!! Es blieb nur eine Lösung übrig; der Arzt musste die größtmögliche Hebelwirkung nutzen und kniete sich auf meinen Oberschenkel, wäre ich von einer einsamen Insel usw.. träumte.. Nee ey echt die härte, dieser blaue Fleck auf dem Oberschenkel war kein Fleck, sondern der Oberschenkel war blau und später grün usw.. wenn nicht sogar bunt… Es gab einen Vorteil bei der ganzen Geschichte.. ich wurde bedient von vorne bis hinten, was mir jedoch so richtig auf den Sack ging.. gut war nur, es gab von Oma lecker Kartoffelbrei mit Spiegelei.. Nach insgesamt ca. 14 Tagen kehrte das normale Leben wieder ein, dachte ich.. auf Arbeit angekommen, aß ich irgendeinen Fraß und bemerkte das irgendwas in Mundnähe blutete – eine Wunde war aufgerissen und gab mir einen leckeren Geschmack im Mund.. also zurück zum Arzt usw… was will man mehr?? Einige Tage später war alles im Lot, ich konnte essen, trinken, schlafen – wobei sich meine Schlafangewohnheiten klar verändert hatten. Als gewohnter „AufdemBaucheinschlafender“ musste mich damit zufrieden geben, dass ich nach 2 Woche auf dem Rücken „schlafen“ auch nur noch auf dem Rücken einschlafen konnte und meine Lieblingseinschlafstellung sich nicht mehr verwirklichen ließ. Mir wurde klar, es war die richtige Entscheidung.. Alles oder Nichts und 2 Wochen Horror hatten sich gelohnt.. Immer wenn das Thema Weisheitszähne auf dem Tisch liegt, empfehle ich.. „Ja lass glei alle vier zugleich rausnehmen“ dann hast du es hinter dir und so schlimm ist es nun auch nicht.. haha.. denkt immer dran, bei Schmerzen durch Weisheitszähne hilft auch keine Dentagard mit Salbei und Minze was
Verfasst von: neuge | Oktober 16, 2007
Weisheitszähne
Veröffentlicht in Neuge erzählt wat.. | Schlagworte: pfui, Schmerzen, Weisheitszähne